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Ausgabe Nr. 5 / 2018
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© MA20/Alexandra Kromus

Pilotprojekt: Anergienetz für Altbauten

In Wien entsteht derzeit das erste Anergienetz für einen Gründerzeit-Häuserblock. Künftig soll es die Altbauten hocheffizient mit Wärme versorgen. Die energetischen Stärken und Schwächen der Häuser gleichen sich dabei sinnvoll aus.

Ein Anergienetz ist ein Leitungssystem, das Geothermieanlagen mehrerer Gebäude miteinander verbindet. In den Leitungen zirkuliert eine frostbeständige Sole mit einer Temperatur zwischen 5 und 25 °C; Anergienetze bezeichnet man daher auch als kalte Nahwärmesysteme. Angeschlossene Wärmepumpen kühlen im Sommer und lagern die entzogene Wärme tief im Erdreich ein, im Winter hingegen nutzen sie die gespeicherte Energie zum Heizen. So kann eine Jahresarbeitszahl von 6 erreicht werden, also sechs kWh Wärme mit einer kWh Strom. 

Zwar funktioniert das Prinzip auch für ein Gebäude allein – doch der besondere Vorteil kommt erst im Häuserverbund zum Tragen. Denn dann gleichen sich die energetischen Profile der Bauten im Anergienetz gegenseitig aus. Produziert etwa ein Gebäude im Sommer viel Wärme, ohne diese geothermisch speichern zu können, geht diese trotzdem nicht verloren. Eines der vernetzten Häuser nimmt sie stattdessen auf und lagert sie für den Winter ein. Umgekehrt wird ein Gebäude mit schwächeren Wärmequellen zu kalten Zeiten mitversorgt.

Pilotprojekt soll Anstoß geben

Ein solches Anergienetz entsteht derzeit für einen Altbaublock in Wien. Seit August wird am „SMART Block_Geblergasse" gebaut, einer Kombination aus der weitgehend auf Geothermie basierenden Wärme- und Kälteversorgung und einer Photovoltaikanlage, die eine ebenfalls vernetzte Stromversorgung ermöglicht. Vorausgegangen war eine umfassende Sanierung der Gebäude, die zur Senkung des Heizwärmebedarfs geführt hat.

Das Projekt gilt als erstes seiner Art und könne als „Leuchtturm für viele urbane Gebiete in Europa“ dienen, so die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT). Komplexe Eigentumsverhältnisse und wenig verfügbarer Freiraum im dicht bebauten Stadtgebiet machten den Altbaubestand oft zum „Sorgenkind der Energiewende“, so die ÖGUT weiter. Mit dem Wiener Anergienetz sei nun gezeigt worden, dass die Energiewende im Althausbestand sowohl technisch möglich als auch leistbar ist. Wichtig für den Erfolg des Projekts sei die Kooperation der Eigentümerinnen und Eigentümer sowie die Wahl eines geeigneten Geschäftsmodells gewesen.

Innovative Kombination mit Contracting

Als Betriebsmodell für den „SMART Block_Geblergasse" wurde ein Energie-Liefercontracting vereinbart, bei dem der Contractor zunächst die Errichtung der Energieanlagen und anschließend für einen festgelegten Zeitraum und zu einem festgelegten Preis die Energieversorgung übernimmt. Die Heizkosten für das neue System liegen dabei in etwa gleichauf mit den Kosten einer Erdgasheizung. 

 

Quelle:

Artikel zum Projekt bei ÖGUT